Ex-Klingenthalerin schreibt Geschichte

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KLINGENTHAL - Skispringerin Ulrike Gräßler kann man mit Fug und Recht als Vorreiterin bezeichnen: Sie kämpfte wie keine zweite Deutsche für die Gleichberechtigung der Frauen in ihrer noch bis zum Jahrtausendwechsel als Männerdomäne geltenden Sportart. Den ersten offiziellen Frauen-Sprungwettbewerb richtete der internationale Skiverband erst 2004 als inoffizielle Juniorenweltmeisterschaft im norwegischen Stryn aus. 2009 gab es in Liberec (Tschechien) den ersten Frauenwettbewerb bei Skisprungweltmeisterschaften. Immer mit vorn dabei Ulrike Gräßler jeweils mit Platz 2.

Mit Blick zurück meint die mit Partner und einjährigem Sohn wieder in ihrer Heimatstadt Eilenburg Lebende: „Meinem Entdecker Bodo Dotzauer bin ich bis heute dankbar, dass er damals die Verantwortlichen beim VSC Klingenthal überzeugt hat, ein 13-jähriges Mädchen am Leistungszentrum zu trainieren. Damals war das eigentlich unmöglich.“ Und es war der Auftakt zu einer Erfolgsgeschichte, die sie gemeinsam mit Trainer Heinz Wosipiwo schrieb. „Irgendwie bin ich schon stolz darauf, dass ich als eine der Vorkämpferinnen mit dafür gesorgt habe, dass das Frauenskispringen jetzt dort ist, wo es ist. Allerdings gibt es immer noch große Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Die Prämien im Weltcup liegen weit auseinander, die Präsenz im Fernsehen, die Anzahl der Wettbewerbe. Aber ich glaube, in den nächsten Jahren wird sich auch da noch vieles verbessern.“

Rund 24 Jahre drehte sich bei der heute 34-Jährigen fast alles um den Sport. Zu ihren herausragenden Resultaten zählt Bronze mit dem deutschen Team hinter Japan und Österreich beim ersten Mixed-Wettbewerb bei einer Ski-WM 2013 in Val di Fiemme. Allerdings ist Ulrike Gräßlers Verletzungsliste fast genausolang wie die der Erfolge: 2004 Handgelenksbruch, 2001 und 2005 Lungen-OP, 2013 Blinddarm-Not-OP, 2015 Bruch von acht Rippen und des Schlüsselbeins, eine schwere Lungenerkrankung, Verletzungen an Daumen und Sprunggelenk sowie Kreuzbandriss am rechten Knie samt Innenbandschaden. Doch Gräßler war und ist eine Kämpfernatur. „Sportlich gesehen war sicher der Vizeweltmeistertitel 2009 in Liberec mein größter Erfolg. Aber persönlich war mein größter Erfolg, dass ich es nach meinem schweren Sturz in Norwegen nach über einem Jahr und neun Monaten Pause überhaupt wieder auf die Schanze und in Japan nochmal in die Weltcupränge geschafft habe, Sprünge über 100 Meter zeigen konnte und zweimal beim Deutschlandpokal siegte.“

Heute ist sie in Bad Düben im polizeiärztlichen Dienst tätig. „Der Übergang vom Leben als Leistungssportlerin in den Berufsalltag war ein gewaltiger Lebenseinschnitt. Doch ich bin der Bundespolizei dankbar, dass ich mich über verschiedene Praktika qualifizieren durfte.“ Die Verbindung zum Skispringen riss nie ab. Vorbeischauen wird sie sicher auch zur Jubiläumsgala am 9. Oktober in Markneukirchen: „Ich freue mich sehr und fühle mich geehrt, bei dieser Wahl mit auf dem Stimmzettel zu stehen.“

Quelle: Freie Presse

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