Mit den ganz Großen auf Augenhöhe

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Hammerbrücke. Ein ganz klein bisschen hin- und hergerissen ist der Hammerbrücker Benjamin Seifert schon, wenn er auf seine leistungssportliche Karriere zurückblickt. "Ich hatte das Glück oder auch das Pech, zum Nationalkader zu gehören, als Deutschland den Skilanglaufsport dominierte, von 2003 bis 2007 den Gesamtweltcupsieger stellte. Heute wäre ich vermutlich ganz vorn dabei", ist sich der 39-Jährige sicher. Zu Seiferts Glanzzeiten hieß die nationale Konkurrenz René Sommerfeldt, Tobias Angerer, Jens Filbrich oder Axel Teichmann - da war kein Vorbeikommen.

Die Folge: Die größten Träume gingen für den Vogtländer nicht auf - eine WM- oder Olympiateilnahme blieb ihm versagt. "2006 haben mir an der Olympiaqualifikation ganze acht Sekunden gefehlt", hadert er noch heute. So ganz ohne ist seine Bilanz dennoch nicht. Platz 12 beim Weltcup über 15 Kilometer 2007 in Lahti steht für ihn da ganz oben, natürlich auch Platz 3 mit der deutschen Staffel beim Weltcup 2006 in La Clusaz oder sechs Titel eines Deutschen Meisters in verschiedenen Disziplinen. Auch die vier Titel bei den Weltmeisterschaften der Masters nach seiner aktiven Karriere sind ihm wichtig. "Vier Starts, vier Siege gegen richtig starke Leute, das ist nicht ohne!"

Als seine größte Stärke sieht Benjamin Seifert seinen Schlussspurt an: "Ich konnte im Gegensatz zu den meisten anderen auf den letzten 100 Metern extrem beschleunigen. So habe ich auch drei der MastersTitel geholt." Dass der Hammerbrücker als Klassik-Spezialist galt, ist für ihn eher zweitrangig. Er lief beide Techniken gern. "Im klassischen Stil war ich halt nur ein bisschen erfolgreicher."

Benjamin Seifert war für einen Leistungssportler ein Spätstarter. Bis ins Alter von zwölf Jahren hatte er Fußball gespielt, danach erst seine Leidenschaft für den Langlauf entdeckt. Dann ging es aber sehr schnell. Mit 14 wechselte er an den Bundesstützpunkt Klingenthal zu Trainer Peter Thiel, 2001 führte ihn der Weg weiter nach Oberwiesenthal, wo er bis zum Ende seiner Profikarriere 2010 blieb. Seinem Heimatverein, der TSG Bau Hammerbrücke, hielt Benjamin Seifert in all den Jahren die Treue.

Heute hat Benjamin Seifert seinen Lebensmittelpunkt in Leipzig gefunden, wo er im Onlinemarketing für einen großen Internethändler arbeitet. Sein Weg dahin zog einige Schleifen, ganz wie die einst von ihm durchpflügten Langlaufstrecken: Studium in Mittweida, ein Auslandssemester in Finnland, später Masterstudium im schwedischen Uppsala. Danach arbeitet Seifert ein knappes Jahr als Projektleiter Weltcup beim internationalen Skiverband in der Schweiz, von 2018 bis 2019 war er sächsischer Langlauf-Landestrainer, eher ein Manager- denn ein Trainerposten. "Ich habe schnell gemerkt, dass das nichts für mich ist. Das war nicht die beste Entscheidung von mir."

Sport ist ihm bis heute wichtig. Joggen, Radfahren, im Winter Skifahren bei den Eltern in Hammerbrücke - das braucht er einfach. "Da bekommt man den Kopf frei."

Benjamin Seifert

Alter: 39 Jahre

Beruf: Manager für Onlinemarketing

Verein: TSG Bau Hammerbrücke

Größte sportliche Erfolge: 8. der Junioren-WM 2002 über 30 km, 3. Platz mit der deutschen Viermal-10-km-Staffel beim Weltcup 2006 in Le Clusaz (Frankreich), beste Weltcup-Einzelplatzierung: Rang 12 über 15 km 2007 in Lahti (Finnland), von 2007 bis 2009 fünf Siege im Continentalcup, sechsfacher Deutscher Meister, Militärweltmeister 2007 im Patrouillenlauf, vierfacher Masters-Weltmeister, Platz 33 beim Wasalauf 2011

Platzierungen bei der Sportlerumfrage: 3. Platz 2006, 2007, 2009

Quelle: Freie Presse

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