Bei 14 Grad im Wasser zum WM-Titel

  • Foto: Eckhard Sommer

PLAUEN - Laut Autorin Karin Koenicke heißt es: Harte Kerle häkeln nicht, backen nicht, tanzen nicht. Christian Höra setzt noch einen drauf. Für ihn heißt es: Die richtig harten Kerle legen 20 Kilometer im Freiwasser mit der Finflosse hin. Die genannte Strecke war seine Lieblingsdisziplin als Flossenschwimmer beim Tauchclub Nemo Plauen. „Wenn dir nach reichlich dreieinhalb Stunden und dem bei etwa 6 Kilometer pro Stunde sehr hohen Kraftaufwand im Rumpf, in den Armen und Beinen bis in die Füße einfach alles weh tut, dann bist du, wenn du aus dem Wasser steigst, erschöpft aber um ein Wesentlicheres noch glücklicher!“

Begonnen hat für Christian Höra alles mit sechs Jahren. Der heute fast 34-Jährige lacht und weiß nur noch: „Meine Mama fand es eine gute Idee, mich in der Hainstraße zu einem Schwimmkurs anzumelden. Ich war ihr zu aktiv, und das war aus ihrer Sicht eine gute Möglichkeit, überschüssige Energie loszuwerden.“ Dass das der erste Schritt war, der Höra von 2008 an über sechs Jahre zu internationalen Titeln und Podestplätzen führen sollte, konnte damals keiner ahnen.

Der Plauener lässt seine Gedanken ins Jahr 2009 zurückgleiten. „Unvergessen bei all diesen Erfolgen bleibt der Weltmeistertitel über 6 Kilometer in Sankt Petersburg. Da hat einfach alles gepasst, der Ort, die Menschen, die Bedingungen, meine Form. Ich hatte das Rennen jederzeit unter Kontrolle. Und 14 Grad Wassertemperatur waren genau mein Ding.“ Hinzu kommen für ihn in all den Jahren an die drei Dutzend Deutsche Meistertitel, sowohl im Freigewässer als auch im Becken. „Dort werden die Grundlagen geschaffen. Bei mir war das vor allem während meiner Zeit innerhalb der Bundeswehr-Sportfördergruppe so. Da stand mit festem Tagesablauf mehrmaliges Training auf dem Programm. Dabei habe ich viel gelernt“, erinnert sich der einstige Abiturient des Lessings-Gymnasiums und heutige promovierte Chemiker.

Flossenschwimmen ist zwar als olympische Sportart anerkannt, aber nicht im Programm. Es hätte für ihn also sogar noch Olympia-Edelmetalle geben können. „Leider sind die Langstreckenwettkämpfe im Finswimming schwer zu vermarkten, weil sie quasi die Randsportart in einer Randsportart sind.“ Inzwischen widmet sich der zweifache Vater mehr dem Volleyball, fährt gern mit dem Rennrad oder schnallt die Laufschuhe an. „Alles hat ein Ende. Ich habe alles erreicht, was ich wollte. Es braucht mir nicht jeder nacheifern, aber unsere Jüngsten sollten wie ich im frühen Kindesalter das Schwimmen erlernen“, lautet Höras Rat.

Gut lief es für Höra bei den bisherigen Sportlerumfragen. „Insgesamt fünfmal auf dem Podest, davon dreimal Erster – als Aktiver in einer Randsportart eine stolze Bilanz. Damit hatte ich niemals gerechnet. Schließlich waren jedes Mal deutlich prominentere Konkurrenten am Start. Jetzt ist es für mich eine große Ehre auf dem Zettel zu stehen. Vielleicht sehe ich zur Gala den einen oder anderen Haudegen aus früheren Zeiten wieder.“

Quelle: Freie Presse

Christian Höra

Alter: 33 Jahre

Beruf: promovierter Chemiker, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Umweltbundesamt in Bad Elster

Verein: Tauchclub Nemo Plauen

Größte sportliche Erfolge: zahlreiche Deutsche Meistertitel und Podestplätze; Weltmeister 2009 über 6 km,Vizeweltmeister 2009 und 2013 mit der Viermal-3-km-Staffel, WM-Dritter 2009 und 2011 über 20 km sowie mit der Staffel 2011; Vizeeuropameister 2008 über 6 km, 2010 mit der Staffel und 2012 über 20 km

Platzierungen bei der Sportlerumfrage: Sieger 2011, 2012 und 2013, Zweiter 2009 und 2010

Offizieller Medienpartner bei der Wahl der Vogtlandsportler der letzten 25 Jahre

Kandidatenvorstellung Christian Höra im VogtlandRadio