Auf Umwegen bis in die Weltspitze

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BERLIN/SYRAU - Eine außergewöhnliche vogtländische Sportlerkarriere geht am Dienstagabend im Berliner Mommsenstadion zu Ende. Wenn Lucas Jakubczyk in seiner langjährigen Trainingsstätte zum letzten Mal über die 100 Meter an den Start geht, dürfte das für den 36-Jährigen eine emotionale Angelegenheit werden. Zum einen will der gastgebende SCC Berlin sein sportliches Aushängeschild der vergangenen Jahre gebührend in die Sprinterrente verabschieden. Zum anderen sind neben Freunden und Wegbegleitern auch die Eltern von Lucas Jakubczyk und mit Wolfgang Simm sogar sein erster Übungsleiter vom SC Syrau dabei. „Es wird ein guter Rahmen für den Schlusspunkt unter 20 Jahre Leistungssport“, sagt der Sprinter.

Von Wehmut, dass es mit der angestrebten dritten Olympiateilnahme nach London (2012) und Rio (2016) in diesem Jahr nichts wird, ist bei Lucas Jakubczyk nichts zu spüren. „Es hat sportlich einfach nicht gereicht“, sagt der Mann, der mit seiner Topzeit von 10,07 Sekunden aus dem Jahr 2014 immer noch auf dem dritten Platz der deutschen Bestenliste über 100 Meter steht. Im Rückblick auf seine Laufbahn hält er jedoch nicht viel davon, besondere Erfolge oder auch Momente, wie den spektakulären Sturz beim Staffelrennen zur Heim-EM 2018 in Berlin in den Vordergrund zu stellen.

„Die größere Geschichte ist die, die dahinter steht. Also zum Beispiel, dass ich als kleiner Junge damals in Syrau nicht den Traum hatte, auf der Bahn zu stehen, sondern eher eine große Nummer im Fußball werden wollte. Es war bei mir nie eine klar vordefinierte Karriere, sondern es haben immer viele Umstände und Zufälle reingespielt“, sagt Lucas Jakubczyk. Zur Leichtathletik fand er durch seinen Bruder Tobias, der den Schritt vor ihm wagte. Und als er nach seinem Wechsel nach Berlin in der Jugend im Weitsprung auch verletzungsbedingt stagnierte, „kam der Sprint um die Ecke“.

Mit dem Gewinn des Deutschen Meistertitels über 100 Meter war er über Umwege 2012 endgültig in der Disziplin angekommen, in der er es mit der Staffel zu internationalen Erfolgen und so in die Weltspitze schaffte. „Ich bin sehr glücklich und zufrieden, mit dem, was ich erlebt und erreicht habe“, sagt Lucas Jakubczyk. Und er hält fest: „Es war eine sehr schöne und intensive Zeit mit vielen Hochs und auch einigen Tiefs, denen ich aber nicht nachtrauere. Sie haben mich zu dem gemacht, was ich jetzt bin. Und darauf bin ich ein gutes Stück stolz.“

Dem Sport und der Leichtathletik wird der Top-Athlet, der Berlin längst als sein zu Hause bezeichnet, aber genauso immer wieder gerne in die vogtländische Heimat kommt, treu bleiben. Die Weichen dafür sind gestellt: Zum einen hat er während seiner Laufbahn ein Sportstudium begonnen, zum anderen trainiert er seit vielen Jahren parallel beim SCC Berlin den Nachwuchs. „Es gibt weitere Ideen und Projekte beim Verein, wo ich Möglichkeiten bekommen werde, mich auszuprobieren“, sagt Lucas Jakubczyk. Bei seinem Verein hat er im übrigen vor einigen Jahren auch seine Freundin kennengelernt. Die beiden haben eine dreijährige Tochter.

Quelle: Freie Presse

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