Tokio abgehakt, jetzt reizt Paris 2024

REICHENBACH - Die Olympischen Spiele von Tokio stehen unmittelbar vor der Tür. Deutschland entsendet 434 Athletinnen und Athleten, davon allein 100 Leichtathleten. Nicht besetzt sind die Langstrecken bei den Männern. Bei den Frauen schaffte allein Konstanze Klosterhalfen die gesetzte Norm. Sie will über 10.000 Meter die Medaillenränge ins Visier nehmen. Das war eigentlich auch das große Ziel von Sebastian Hendel. Der Deutsche Überraschungs-Meister von 2018 über 5000 und 10.000 Meter sitzt jedoch zu Hause und wird die Rennen am Fernseher verfolgen.

„Die internationalen Maßstäbe waren diesmal einfach zu hoch. Ich hätte fast deutschen Rekord laufen müssen, um mich zu qualifizieren. Die geforderten 27:28,00 Minuten liegen fast eine Minute unter meiner Bestzeit von 28:27,11“, schaut der 25-Jährige auf die verpasste Olympiachance. „Am Ende waren es auch einige Probleme, die mich nicht so recht in Form kommen ließen. 2020 musste ich meine Bahnsaison aufgrund einer Achillessehnenentzündung beenden, in diesem Jahr zwang mich ein Muskelfaserriss in der Wade dazu. Aber auch das gehört leider zum Sport.“ Ganz stagniert hat seine Entwicklung jedoch nicht. Im Frühjahr stellte der angehende Wirtschaftsingenieur über 10 Kilometer auf der Straße eine persönliche Bestleistung auf.

In den vergangenen Jahren hat der Reichenbacher auch bei großen internationalen Wettkämpfen für Furore gesorgt. Dabei schnürte Hendel anfänglich ganz andere Schuhe. „Im Kleinkindalter spielte ich Fußball und fing dann irgendwann nebenbei mit dem Laufsport an. In der zweiten oder dritten Klasse habe ich dann meine Fußballschuhe an den Nagel gehängt und mich nur noch dem Laufen gewidmet“, erinnert er sich.

Als seine größten Erfolge nennt der seit 2019 für die LG Braunschweig Startende die Deutschen Meistertitel 2018 über 5000 und 10.000 Meter sowie Platz 3 mit der Mannschaft über 10.000 Meter 2019 beim Europacup in London. Das Leben spielt sich dennoch in Reichenbach ab, wo Hendel von seinem Vater Udo trainiert wird.

Es heißt: Langstreckler bekommen im Alter um die 30 oft nochmal einen Leistungsschub. Das könnte in seine Planung passen. „Paris soll eine schöne Stadt sein“, sagt Hendel lächelnd mit Blick auf die Olympischen Spiele 2024. „Da gilt’s auf jeden Fall nochmal anzugreifen, die Norm zu schaffen.“ Aber auch weitere internationale Starts sind noch längst nicht abgehakt. „Nächstes Jahr haben wir in Deutschland das Glück, Ausrichter einer Leichtathletik-Europameisterschaft zu sein. Die Teilnahme in München wird auf jeden Fall mein Ziel sein.“

Siebenmal stand Sebastian Hendel, der seit fünf Jahren mit seiner Kristina, ebenfalls einer Mittel- und Langstreckenläuferin, verheiratet ist, schon auf dem Stimmzettel zur Wahl der Vogtlandsportler des Jahres. Siebenmal stand er dabei auch auf dem Treppchen. Und die Erwartungen für die Jubiläumsgala? „Natürlich würde ich mich freuen, wenn es wieder zu einem Podiumsplatz reichen würde.“

Quelle: Freie Presse

Offizieller Medienpartner bei der Wahl der Vogtlandsportler der letzten 25 Jahre